Kreatives Klangerleben

Kriegserbe - das unerlöste Niewieder    

Zwei besondere Kriegsereignisse haben mich für die Klärung dieses brisanten Themas sensibilisiert.

Mein Vater zog als Jugendlicher wie seine Brüder in den 1. Weltkrieg und zwei kamen nicht mehr zurück. Das Wort "Gefallen" hatte nun auch eine andere Bedeutung gewonnen, eine traurige...

Im 2. Weltkrieg half meinem Vater seine Stimme zu überleben. Er war zwischenzeitlich am Konservatorium als Tenor ausgebildet und öffnete mit seinem " hohen C" Herzen. Ganz besonders die der Offiziere, die er in russischer Gefangenschaft sah, nachdem er von Narvik am Eismeer kam. Sie hörten seine Stimme und holten ihn abendlich zum Singen in den Raum, wo es Speis und Trank gab. Soviel seine Hände trugen, durfte er von den Essensresten abräumen, die er dann mit seinen Kameraden teilte. Auch in meinem Geburtsjahr 1947, wo Wiederaufbau und Hunger herrschten, bescherte uns seine Stimme oft Essbares.

Das zweite Ereignis betrifft den 23. Februar 1945, an dem Pforzheim zerstört wurde. Hier durfte ich mit einer 80-jährigen Frau arbeiten, die als Kind erlebte, wie neben ihr ihre Mutter von einer Granate getötet wurde. Sie blieb mit Splitter im Knie fast unverletzt. Zudem half sie in den nachfolgenden Tagen ihrer Oma, die viele Verletzte des Zerstörungsangriffs medizinisch versorgte. Auch diese Erlebnisse prägten ihr Leben und ihre Träume und wollten erlöst werden.

Ebenso all die anderen, die als Verschüttete, Vertriebene, Traumatisierte oder aus der französischen Gefangenschaft zurückkamen, wie meine Schwiegerväter, lehrten mich zu  erkennen, was erneutes Berühren von Erinnerungen aus der Tiefe beschert.

Auch einmalige Aussagen und Erleben, wie z.B. die wiederholt helfen sollende Aussage von Mütter an ihre Kriegskinder: "Vergiss ganz schnell, was war", führt oft in heutigen emotional belastenden Situationen in den sogenannten Black out,  ich weiß nichts mehr,  oft noch schockartig und/oder mit unerklärbarem Weinen.

Unerlöste Verdrängungen nähren offen oder verdeckt viele (spätere) Körperleiden, emotionale Unausgeglichenheiten oder psychische Probleme und können auch durch die Enkel heutige Probleme oder Krawallfelder nähren.

Manchmal finde ich das Erbe in Babys, die ungewöhnlich viel weinen, in ihrer energetischen Nabelschnur und bin froh über meine Stimme ihnen befreiende Seufzer zu entlocken.

Was in der entsprechenden Schwingungsfrequenz erlöst werden kann, brauchen die Beteiligten, deren Kinder oder Enkel nicht mehr weitertragen....

~ Das Kriegserbe als Bestandteil in der Emotionalklärung~

 

 

 

 

 

Wiltrud Widmaier